Ich war die letzten zwei Wochen im Januar in Ecuador im Dschungel und habe beim Stamm der Kichwa gewohnt.
Heute wollte ich Dir hier ein bisschen davon erzählen. Es waren so unglaublich viele Eindrücke, da wird in den nächsten Wochen und Monaten immer mal wieder ein Impuls hochkommen, den ich gerne mit Dir teilen würde, aber heute vielleicht erstmal ein kleiner Überblick über meine Reise in den ecuadorianischen Dschungel.

Das war eins der ersten Bilder, die ich in Ecuador aufgenommen habe. Schon hier wusste ich: das wird eine besondere Reise...
Von den Thermas auf 3.500 Metern Höhe sind wir dann am nächsten Tag wieder 4 Stunden nach unten gefahren, nach Tena, wo wir das erste Mal in Ecuador auf unseren Curandero Augustin Allpa Grefa gestoßen sind, Stammeshalter der Kichwa. Wir kennen ihn schon von vielen Retreats und Zeremonien, denn einmal im Jahr kommt er uns in Deutschland besuchen, um sein Wissen zu teilen. Jetzt waren wir dran, ihn bei sich zu Hause zu besuchen.
In Tena, der sozusagen letzten Stadt bevor es dann richtig in den Dschungel geht, haben wir am nächsten Tag eine Temazcal-Zeremonie gemacht. Eine Schwitzhütten-Zeremonie. Vielleicht nehme ich Dir dazu mal eine extra Podcastfolge auf. Das war nämlich eine sehr intensive und besondere Erfahrung für mich: auf allen Ebenen: mental, körperlich, emotional... Aber jetzt im Nachhinein kann ich sagen: ich bin so dankbar mich meiner Angst gestellt zu haben.🤲🏼

In meiner Zeit in Ecuador bin ich dem Kakao dort auch auf eine sehr ursprüngliche Weise begegnet – dort, wo er wächst, geerntet und ganz selbstverständlich Teil des Lebens ist. Es war etwas anderes, Kakao nicht als Produkt oder Ritual zu erleben,
sondern als Pflanze, eingebettet in Natur, Alltag und Gemeinschaft.
Diese Begegnungen haben bei mir einiges angestoßen und meinen Blick auf Kakao noch einmal verändert und vertieft.
Hier habe ich das erste Mal in Ecuador Kakao in nächster Nähe wachsen sehen, bei Augustin zu Hause. ♥️
Nach zwei Nächten in Tena ging es dann weiter wirklich in Richtung Dschungel. Mit einem Boot haben wir einen Flussarm des Amazonas überquert und sind von dort dann tief in den Dschungel hinein gewandert. Vorbei an riesigen Bäumen, bei denen allein die Wurzeln schon größer waren als ich. Vorbei an Ameisen, die so groß wie die Hälfte meines Daumens waren, an Lianen, giftigen und heilenden Pflanzen, an vielen weiteren Kakaobäumen, an Dschungelhühnern, über kleine Bäche und unter umgefallenen Bäumen und Spinnennetzen entlang. Schritt für Schritt kamen wir mehr im Dschungel an.

Ungefähr auf der Hälfte der Strecke haben wir einen kleinen Stop eingelegt, denn Augustin hat uns mit seiner Machete eine Kakaoschote vom Baum geholt, die wir als kleinen Snack zusammen verzehrt haben. So besonders, das frische Fruchtfleisch so frisch vom Baum essen zu dürfen. Es hat wundervoll geschmeckt, süß, aber nicht zu süß, das Fruchtfleisch samtig weich und in der Mitte der Kern: die Kakaobohne, aus der dann später zum Beispiel auch mein zeremonieller Kakao gemacht wird.
Und immer wieder habe ich auf dieser Reise gemerkt: die Kichwa begegnen Kakao mit Selbstverständlichkeit doch gleichzeitig mit viel Respekt. Auf Wanderungen wird die Pflanze genutzt, um zwischendurch neue Energie zu bekommen, doch immer nur so viel, wie wir gerade brauchten. Diese Haltung hat mich tief berührt.
Danach ging es weiter. Leider war nicht alles schön auf unserer Wanderung. Als wir schon ganz nahe an Augustins Dorf im Dschungel angelangt waren, haben wir auf einmal laute Maschinengeräusche gehört. Die haben sogar die intensiven Dschungelgeräusche übertönt. - Und plötzlich sahen wir sie: die orangenen Bagger, die schon so viel Regenwald abgeholzt haben in den vergangenen Monaten. Der Amazonas in Ecuador ist schon seit einer Weile in großer Gefahr, weil hier Gold im Boden ist. So versuchen die Gold Minor so schnell wie möglich so viel Land wie möglich zu zerstören, um an das Gold zu kommen. Augustin hat es sich zu seiner Lebensaufgabe gemacht, den Dschungel zu schützen so gut er kann. Aber dazu erzähle ich Dir bald noch mehr. Vielleicht können wir gemeinsam auch etwas tun...

Hier war noch bis vor kurzem dichter Urwald. Jetzt: Bagger, Maschinen, verschmutztes Wasser und: kein Leben mehr.
Trotz der bedrückenden Situation haben wir in den zwei Wochen vor Ort bei Augustin im Dschungel aber wundervolle und so unglaubliche Erlebnisse gehabt. Alles einzeln aufzuzählen wäre jetzt zu viel. Viel siehst Du dann auch in meinem Vlog auf YouTube! Aber hier ein kurzer Überblick: wir haben viele Wanderungen quer durch den Dschungel gemacht, den Baum der Weisheit besucht, Zeremonien durchgeführt, Handarbeiten ausgeführt, sind den Wasserfall der Anakonda hochgeklettert, haben eine Wanderung noch tiefer in den Dschungel gemacht und dort übernachtet, sind durch einen Höhlengang 4 Meter unter der Erde gelaufen, haben über die Tradition der Kichwa erfahren, über die Geschichte der Menschheit und den Dschungel wirklich erlebt. Es war einmalig und ich bin tief dankbar für diese intensive Erfahrung.
Was mich auch sehr bewegt hat, war die Art, wie mit Kakao und mit der Natur allgemein dort umgegangen wird. Kakao ist dort kein reines Konsumgut.
Er ist eine Pflanze mit Geist, mit Geschichte, mit Wirkung, so wie alle Pflanzen im Dschungel ihre eigene Seele und Wirkung haben. Er wird angebaut, geerntet, fermentiert und verarbeitet in einem Rhythmus, der nicht beschleunigt werden kann. Alles folgt dem Tempo der Natur. Und genau darin liegt etwas, das wir in unserer Welt oft verloren haben.
Diese Langsamkeit wirkt regulierend – nicht nur auf das Nervensystem, sondern auf das gesamte innere Erleben und am Ende in diesem Fall auch auf das Produkt, was wir ja wiederum zu uns nehmen. Man spürt diese Langsamkeit. Man spürt die Achtsamkeit. Etwas was mir auch für meine Kakaosorten unglaublich wichtig war.
Vieles von dem, was man heute oft über Kakao hört: Herzöffnend, regulierend, verbindend, habe ich dort nicht nochmal erklärt bekommen. Ich habe es gespürt.
Die Hitze des Dschungels. Die Geräusche. Das gemeinsame Trinken. Das Sein.
Die Pflanzen wachsen dort gefühlt wild durcheinander und doch hat jede ihren Platz, jede ihre Funktion, jede ihr eigenes Wesen. Und das ist, was sie uns weitergeben, was wir als herzöffnend oder erdend beschreiben: das Sein. In ihrer einzigartigen Form.
All das schafft Sicherheit im Körper. Und Kakao kann uns genau in solchen Prozessen unterstützen: Präsenz statt Leistung zu erforschen, Verbindung statt Kontrolle in den Alltag zu integrieren. Ich habe im Dschungel durch Kakao Ruhe und Ausgleich und trotzdem eine sanfte Energie gespürt.
Er wirkt für mich nicht, weil er etwas lautes „macht“, sondern weil er Raum öffnet.
Die Arbeit mit Kakao erinnert mich daran, dass Regulation nicht erzwungen werden kann. Dass Heilung und Wachstum Zeit brauchen. Dass wir achtsam mit unseren Ressourcen umgehen sollten. Dass die Natur etwas Schützenswertes ist und auch wir Teil der Natur. Und, dass Verbindung immer im Körper beginnt.
Wenn ich heute Kakao trinke, ist der Dschungel mit präsent in meiner Tasse. Die Magie. Die Kraft. Die Ruhe. Die Weisheit. Des Dschungels und seiner besonderen Pflanzen.
Vielleicht magst Du es ja jetzt auch mal probieren, reinen Kakao ganz bewusst zu trinken?

Hier geht's zu meinem zeremoniellen Kakao!
Ich freue mich auf jeden Fall schon so sehr, alles, was ich im Dschungel gelernt, gesehen und gespürt habe hier in meine Arbeit mit Dir und mit Du mit Dir einfließen lassen zu können. Augustin und der Dschungel haben mir auf vieles nochmal ganz neue Perspektiven gegeben und ich bin tief demütig für die Weisheit, die ich von ihm und aus der Natur erfahren durfte.
Ich werde Dir immer wieder auf Instagram davon berichten, bestimmt auch hier im Blog und definitiv auch bald auf meinen Retreats, in meinem Podcast und auf YouTube. Stay tuned! 🥰
Danke, dass Du auf dieser Reise mit mir bist.
Danke für Dein Vertrauen.
Danke für Dein Sein.
Ich wünsche Dir jetzt noch einen wundervollen Tag!
Fühl Dich umarmt!
Sina



